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    Caroline, 15 Jahre: Weil mein Freund 37 war, hieß ich in der Schule "Lolita"

    Ich bin von meinen Eltern sehr konservativ erzogen worden (deshalb schreibe ich auch noch ein bisschen altmodisch ;-)), Gespräche über Sex waren total tabu.

    Mit 11 bin ich dann neugierig geworden und habe das "Mädchen"-Heft immer mit heißen Ohren durchgelesen. "Bravo" und "Bravo Girl" fand ich blöd, da hatte ich immer den Eindruck, dass einige Geschichten erfunden sind.

    Mit Ende 12 kam dann die Periode, und da hat meine Mutter mir schon geholfen und mir etwas die Angst davor genommen.

    Mit 13 hatte ich dann meinen ersten Freund und auch mein erstes Mal - es war wunderschön. Wir haben alles geheim gehalten vor den Eltern, weil sie dagegen gewesen wären. Aber durch dieses Versteckspiel ist es vielleicht auch in die Brüche gegangen.

    Dann war ich mit 14 als Austauschschülerin in Holland (Amsterdam) und bin da eigentlich erst richtig sexuell aufgewacht. Da war alles sehr liberal. Die Mädchen in der Klasse haben ganz locker über Sex gesprochen und hatten mit 14, 15 schon viel mehr Erfahrung als die Mädchen hier. Einige haben auch schon erotische Filme geguckt, was ich schon ungewöhnlich fand. Normalerweise machen das doch nur die Jungs.

    Auf einer Girlparty habe ich dann mal mitgeguckt und war angenehm überrascht. Ich habe dadurch auch ganz neue Sachen kennengelernt und war richtig neugierig darauf, es mal auszuprobieren.

    Als ich dann nach dem Schuljahr wieder zuhause in Deutschland war, da war es schon ein Kulturschock. Alles kam mir auf einmal so verkrampft vor. Die Menschen so schrecklich unfreundlich und verklemmt. Miesepetrige Gesichter an den Haltestellen, Dauernörgeln, Meckerei und Pessimismus. Ich wollte sofort wieder nach Holland zurück, aber leider ging es nicht!

    Meine Mitschülerinnen hatten sich in dem Jahr ganz schön weiterentwickelt, viele hatten ihre ersten Beziehungen hinter sich, waren total frustriert und kamen mit den gleichaltrigen Jungs nicht zurecht. Und DIE hatten sich überhaupt nicht weiterentwickelt, hingen nur am Gameboy und ihre Hauptgesprächsthemen waren Playstation, Formel 1 und Fußballgekicke. Und wenn sie mal über Sex sprachen, dann nur so im Gossenjargon.

    Einen Freund wünschte ich mir schon, aber was soll ich denn mit diesen Freaks? Die sind ja wie Kleinkinder. Außerdem hatte ich, wohl durch meine Erziehung, auch ziemlich ungewöhnliche Interessen, höre gerne klassische Musik und gehe lieber in eine Kunstausstellung als in eine Disco. Habe außer "Mädchen" und Comics auch immer die Zeitung gelesen und mich für Politik interessiert. Ich habe mich gefragt, warum das Leben hier so lebensfeindlich ist und warum es nicht so schön wie in Holland sein kann. Das ist ja schließlich auch Politik.

    Bei einer Kunstausstellung habe ich dann einen interessanten Mann kennengelernt. Er fand es ganz erstaunlich, dass eine 15-jährige Schülerin "freiwillig" in eine Ausstellung geht, ohne von der Schule dazu gezwungen zu werden. Wir haben uns stundenlang über alles unterhalten und uns auch schnell ineinander verliebt. Eigentlich ja kein Problem, nur ist er 37 Jahre alt (nur vier Jahre jünger als mein Vater)! Ich sagte ihm, dass ich keine Lust auf eine Geheimbeziehung hätte. Er kannte sich da aber gut aus und klärte mich auf, dass man (in Deutschland) ab 14 eine Liebesbeziehung zu einem Erwachsenen haben darf, WENN die Eltern einverstanden sind. Aber da hatte ich keine große Hoffnung.

    Ich sprach dann mit meiner Mutter darüber, dass ich einen Freund hätte, schob es aber ständig vor mir her, das Alter zu sagen. Meine Mutter freute sich dann auch, dass ich einen Freund hatte, was mich schon erstaunte, aber als ich dann am Ende das Alter sagte, da fiel sie fast in Ohnmacht. Sie meinte auch, dass es verboten wäre.

    Dann kam gerade mein Vater aus der Kanzlei (er ist Rechtsanwalt), und ich setzte alles auf eine Karte und sagte, dass ich einen 37-jährigen Freund habe, der sie gerne mal kennenlernen würde. Mein Vater bekam einen Wutanfall und schrie nur: "Jetzt spinnst du völlig. Ich erkenne meine Tochter nach dem Auslandsjahr nicht mehr wieder. Da hätten wir nie zustimmen sollen, dass du ein Jahr bei den linken Chaoten lebst!" Ich sagte dann, dass ich ihr Einverständnis für die Beziehung brauche, da es ja sonst illegal wäre und mein Freund Schwierigkeiten bekommen würde. Als Anwalt kannte mein Vater ja die Rechtslage und musste meiner Mutter erst einmal erklären, dass es tatsächlich erlaubt ist, aber nur wenn beide Elternteile zustimmen.

    Ich sagte dann, dass er am nächsten Sonntag zum Mittag kommt und sie ihn erst einmal kennenlernen sollten. Mein Vater meinte dann: "Der kommt einmal hierher und nie wieder! Ich werde dem Herrn dann ganz klar sagen, dass wir es nicht erlauben. Da musst du eben warten bis du 16 bist. Das halbe Jahr hältst du auch noch durch!" Aber wenn man schrecklich verliebt ist, hält man nicht einen Tag ohne den Liebsten aus. :-( Ich bereitete dann meinen Freund ganz ausführlich vor, außer klassischer Musik und Malerei interessierte mein Vater sich noch für alte Weine und Schach. Er las dann von morgens bis abends nur Bücher über Weine und Schach. ;-)

    Am Sonntag wurde er dann ziemlich frostig von meinen Eltern begrüßt. Bevor mein Vater aber eine Ansprache halten konnte, lobte mein Freund das "geschmackvolle" Bild über dem Esstisch (das Bild ist potthässlich! ;-)). Dann kamen sie doch ins Gespräch. Er bewunderte das antike Schachspiel, und beide unterhielten sich auf einmal über Schach, als wenn sie die besten Freunde wären.

    Irgendwann machte er doch einen Fehler, weil er ja kein Schach spielte und Karpov und Kasparow verwechselte. Mein Vater grinste aber nur, weil er den Fehler gleich bemerkt hatte, und meinte, dass er sich gut vorbereitet hätte. Besonders beeindruckte ihn, dass er eine eigene Firma hatte und "mit beiden Beinen auf der Erde stand" (typisch Vater eben!). "Also mein Einverständnis haben Sie, wenn meine Frau nichts dagegen hat. Was soll man bei einem halben Jahr so ein Theater machen." Meine Mutter nickte auch nur und meinte: "Wenn meine Tochter sich mal etwas vorgenommen hat, dann ist sie sowieso nicht davon abzubringen. Besser so, als wenn alles heimlich abläuft." Ich war total perplex und hätte NIE damit gerechnet.

    Wir waren dann über drei Jahre sehr glücklich zusammen. Dass es zuende gegangen ist, hat nichts mit dem Altersunterschied zu tun. Ganz im Gegenteil, denn wer hat als Teenager schon eine so lange Beziehung... So eine Beziehung hat enorm viele Vorteile. Ich mag es, wenn mein Partner mich fordert und ich von ihm lernen kann. Natürlich auch beim Sex. Mit einem hypernervösen und unerfahrenen "Gameboy" im Bett zu liegen, das wäre wirklich ein Alptraum für mich. Und die wären bei meinen Wünschen auch total überfordert gewesen, ich mag lieber ungewöhnlichen Sex und probiere gerne etwas Neues aus.

    Ich habe mich einfach unglaublich geborgen gefühlt und jeden Tag genossen. Und mein Freund hatte einfach genug von Frauen in seinem Alter, die nur auf Geld aus sind, ständig Schmuck usw. haben wollen, zu blöden Angeberpartys wollen, nichts mit Computer anfangen können, Comics kindisch finden, nicht mal über den eigenen Schatten springen können, im Bett total prüde sind usw.

    Nachteile hat es auch, aber die kommen eher von den netten Mitmenschen. Wenn man im Sommer händchenhaltend und schmusend durch die Gegend läuft, dann hört man so Sprüche wie: "...könnte ja seine Tochter sein..." oder "...könnte ihr Vater sein...". Und im Bekanntenkreis: "...ist nur mit ihm zusammen, weil er Geld hat / einen Mercedes fährt / oft mit ihr Essen geht..." oder "...er hat Angst vor gleichaltrigen Frauen, lässt sich von denen nichts sagen und sucht ein Modepüppchen, das jeden Wunsch erfüllt..." - So ein totaler Quatsch! Und in der Schule hatte ich auch meinen Spitznamen "Lolita" weg, dann wurden mir Beziehungen zu irgendwelchen Lehrern (*würg*) angedichtet, die ich natürlich nie hatte.

    Meine Freundinnen fanden es aber mutig und waren auch etwas neidisch, weil sie soviel Pech mit den Jungs hatten. Vor vier Jahren war ich da wohl noch ein Exot, aber jetzt haben schon drei meiner Freundinnen einen viel älteren Freund, und sie sind auch sehr glücklich. Ich finde es toll, wenn die jungen Mädchen sich da jetzt mehr trauen. Vorsichtig muss man natürlich sein, gerade bei den ersten Treffen. Anfangs immer auf neutralem Boden (Cafe, Restaurant, Ausstellung etc.). Eine absolute Sicherheit gibt es nie im Leben, für nichts. Und aufpassen sollte man immer und überall.

    Ich habe es einfach so erfahren, dass ältere Männer immer mehr Rücksicht auf meine Gefühle genommen haben. Gleichaltrige Jungs trampeln einfach nur darauf herum, machen sich über Schwächen lustig, finden Mädchen die sich für Kunst, Politik und Klassik interessieren, sowieso "megaout" und "ätzend". Bin mal gespannt, wie andere Mädchen es sehen.

    Quelle: Teenagerliebe (c), Originalversion