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    Attraktive ältere Herren - Debatte

    Womit haben sexuell aktive Junggesellen eigentlich die schlechte Presse verdient?

    Männer meines Alters besitzen gelegentlich die Unverfrorenheit, sich als Sexualwesen zu verhalten. Und zwar, jetzt kommt's: sogar woanders als in der stabilen Ehe mit einer gleichaltrigen Frau. Sie handeln sich damit eine derart hundsmiserable Presse ein, man glaubt es gar nicht. Ich will mich beherrschen und die entsprechenden Bemerkungen und Verhaltensweisen aus meinem eigenen weiteren Bekanntenkreis nicht anführen. Denn auch die Beispiele in der veröffentlichten Meinung sind Legion. Die Schmutzkampagne Mia Farrows gegen Woody Allen und Soon-Yi Previn und ihre feministischen Resonanzen waren die härteste Variante, an die ich mich aus der letzten Zeit erinnern kann. Und die vielfach völlig unreflektiert sexualneidische Debatte über die Anzahl der Ehen des Bundeskanzlers und über die aktuelle Lebenspartnerin unseres Außenministers wundert den kritischen Medienbeobachter schon gar nicht mehr.

    Die politische Ikonographie der zahlreichen Medienkampagnen gegen Prostitutionstourismus, das Bestellen ehewilliger Thailänderinnen per Katalog, sexuelle Aggression per Internet schreibt inzwischen das Casting der Täterpersönlichkeit mit übergewichtigen, unattraktiven, ungeduscht wirkenden, schlecht angezogenen Männern um die fünfzig so gut wie zwingend vor. Wir schließen in einem kleinen Selbstversuch einen Moment lang die Augen und sehen den über die grellen Bermudashorts lappenden Bierbauch so spontan vor uns wie die Flip-Flops (in meiner Phantasie sind sie hellblau) an den verhornten Füßen und den schwarzen Balken über den alkoholischen Augenringen.

    Eine Rezension im "Tagesspiegel" über den von Männerhaß, Sozialkitsch, Gewaltverharmlosung und fünftklassiger feministischer Propaganda triefenden Film "Monster" (man erinnert sich: den mit der maskenbildnerisch verunstalteten Charlize Theron) beschreibt deren Freier (ältere Männer, die sich das eine, woran wir alle mehrmals am Tag denken, nirgendwo anders als auf dem Straßenstrich holen können und dafür mit ihrem Leben bezahlen müssen) in einer Weise als Untermenschen, daß es einem ganz blümerant wird. Charlize Therons Filmfreier sind "schmierige Familienväter, Klemmies, Brutalos, Abschaum ... Auch wenn ihr diesen Film wahrscheinlich nicht sehen werdet, ihr Familienväter, Fettsäcke und Kinderschänder da draußen in euren Autos - denkt daran: Es stehen mehr Eileens an der Straße, als ihr denkt." Auch wenn die Serienmörderinnen da draußen, die von Maskenbildnern verunstalteten Charlize Therons dieser Welt den "Tagesspiegel" möglicherweise nicht regelmäßig lesen - genaugenommen ist das doch fast ein bißchen übertrieben, oder?

    Der ältere, erotisch noch nicht völlig pensionierte Junggeselle geht jedenfalls unwillkürlich in Deckung, wenn er so etwas liest, und fragt sich, womit er das alles eigentlich verdient hat. Es fällt einem dann auch immer erst viel zu spät ein, daß man erstens als durchschnittlicher Fernsehzuschauer ja eigentlich erst einen Kinderschänder tatsächlich und in persona gesehen hat. Marc Dutroux. Nicht wirklich ein Fettsack. Dezidiert unschmierig. Schmuckes Bärtchen, intelligenter Blick. Viele Frauen, die ich kenne, würden ihn nicht von der Bettkante stoßen, wenn sie nicht wüßten, wer er ist. Zweitens: Der einzige bekennende Klient von Prostituierten, von dem ich je gehört oder gelesen habe, ist Nikolaus Sombart, der Autor eines von der Kritik landauf, landab in den höchsten Tönen gelobten "Journal intime", in dem es um fast nichts anderes geht als um Sex mit Nutten. Und dessen Autor wirkt wie der kultivierte, weltläufige, feingliedrig-weißhaarige Großvater (oder zumindest Studienstiftungsvertrauensprofessor), den wir uns alle immer gewünscht haben.

    Quelle: Die Welt.de, (c) 02.02.2005, Stephan Wackwitz, Originalversion