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    Reife Dame sucht jungen Beau

    Bei der Partnerwahl spielt der Altersunterschied eine immer geringere Rolle

    Alter Knacker mit viel Geld angelt sich junge und hübsche Frau - solche Szenen taugen nicht nur für kitschige Filme, sondern auch für die Realität. Jedenfalls haben wir uns all die Jahre nicht sonderlich daran gestört, wenn sich Harrison-Ford-Typen mit Ally-McBeal-Mädels schmückten. Hat das doch, wie wir schon im Biologieunterricht gelernt haben, durchaus Sinn. Denn schon in der menschlichen Frühgeschichte ließen sich junge und hübsche Frauen auf ältere und mächtige Männer ein, weil die nun einmal für Frau und Kind verläßlichere Zukunftsaussichten bieten als ein Jungspund, der sich erst noch behaupten muß.

    Doch die Zeiten ändern sich, und dabei setzen sie mitunter sogar biologische Gesetze außer Kraft. Frauen machen nämlich immer häufiger Karriere im Beruf, während immer mehr Männer zu Hause bleiben, wobei sie das allerdings nicht unbedingt freiwillig tun, sondern oft nur deshalb, weil sie ihre Arbeit verloren haben. Solche gesellschaftlichen Veränderungen haben natürlich auch Auswirkungen auf die Partnerwahl.

    So zeigt schon die Promi-Szene einen Trend zur Liaison von älterer Lady und jungem Beau. Wegweisend sicherlich die achte Ehe von Elizabeth Taylor mit einem knackigen Bauarbeiter, später heiratete Julia Roberts den unbekannten Kameramann Danny Moder, und Madonna gab, nachdem sie schon ein Kind von ihrem Fitneß-Trainer bekommen hatte, dem zehn Jahre jüngeren Guy Ritchie das Jawort.

    Doch wie sieht die Sachlage in der breiten Öffentlichkeit aus? Die deutschen Sozialpsychologen Angelika Kümmerling und Manfred Hassebrauck fanden in einer Umfragestudie unter 94 Frauen und 60 Männern heraus, daß auch hier die alte Formel vom reichen Er und der schönen Sie nur noch für die ältere Generation bindend ist. Für die Jüngeren unter 45 Jahren hingegen hat Schönheit als erstes Kriterium für die Partnerwahl ausgedient. Selbst die Männer gaben in der Umfrage an, sich mit einer mäßig attraktiven Frau an ihrer Seite arrangieren zu können. Und sie werden für diese "Nachsicht" mit einem Entgegenkommen von weiblicher Seite belohnt. Denn dort kann man sich im Unterschied zu früher mittlerweile durchaus vorstellen, jemanden zu heiraten, der eine niedrigere Bildung besitzt und weniger Geld verdient.

    Allerdings finden die jungen Frauen mit dieser Einstellung beim Mann nur wenig Gegenliebe. Denn dem ist zwar relativ egal, welche Religion und welche Hautfarbe seine Auserwählte hat, doch daß sie mehr Geld verdient, damit kann er nur schwer leben. Dafür darf sie heute um durchschnittlich 6,5 Jahre älter sein als er selbst, was früher für Männerhirne undenkbar war. Mit anderen Worten: Der moderne Mann will nach wie vor in der Partnerschaft die finanziellen Hosen anhaben, aber dafür müssen seine Partnerinnen nicht mehr jung und knackig sein. Er kann sich sogar vorstellen, in einer Beziehung selbst den jungen und knackigen Anteil zu mimen.

    Doch gleichgültig ob jung, schön, knackig, reich oder arbeitslos: Es ist fraglich, ob die neuen Partnerschaften mit ihren gewandelten Wertvorstellungen glücklicher sind als früher. Stabiler sind sie jedenfalls nicht, denn bekanntlich landet heute jede dritte Ehe vor dem Scheidungsrichter. Wissenschaftler empfehlen denn auch, sich bei der Partnerwahl nicht nach irgendwelchen Auswahlkriterien zu richten, sondern vielmehr die eigenen Ansprüche zurückzuschrauben. So plädiert der Wiener Anthropologe Karl Grammer dafür, an Partnerschaften grundsätzlich realistischer heranzugehen. Die Selbstüberschätzung hält er für die Hauptursache der gegenwärtigen Partnerschaftskrise: "Viele Menschen überschätzen ihren Wert auf den Partnermarkt völlig." Die Folge: Sie geben sich nicht mit dem Partner zufrieden, den sie gerade haben, sondern suchen - in der Überzeugung, doch eigentlich etwas Besseres verdient zu haben - auf dem Partnermarkt verstohlen weiter. Auf dieser Grundlage läßt sich natürlich keine stabile Beziehung aufbauen.

    Quelle: Die Welt.de, (c) 31.12.2005, Jörg Zittlau, Originalversion