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    Basislexikon "Leben-Moral-Glauben" - Altersunterschied

    Ein geringer ALTERSUNTERSCHIED (wenn der Mann etwa wenige bis einige Jahre älter als die Frau ist) gilt für viele Menschen als eine der Voraussetzungen für lange und glückliche Beziehungen gerade in der Liebe. Leider geht diese Erwartung in der Wirklichkeit einer Partnerschaft nur zu oft gründlich daneben.

    Auch ist die Überlegung, sich eine Beziehung danach auszusuchen, daß es in der Ehe auch zu häufigen sexuellen Begegnungen voller Befriedigung kommt, sich also schon von daher nach einem gleichaltrigen Partner umzusehen, nur zu oft eine typische Milchmädchenrechnung.

    Denn der Geschlechtsverkehr mit einem Partner, der nicht wirklich auch Gefährte ist, kann recht bald langweilig und sogar regelrecht widerlich werden, gleichgültig wie oft er stattfindet. Nicht die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs ist für das volle Gelingen einer Partnerschaft auch auf der körperlichen Ebene wichtig, denn da paßt sich der biologisch stärkere Partner durchaus dem etwa aufgrund seines Alters eher benachteiligten Partner an, sondern vor allem die seelische Harmonie dabei. Und auf diese Harmonie kommt es an und nicht auf die Gleichaltrigkeit! Denn die typischen Fragen bei einer Partnerschaft gelten immer: Was ist die Triebfeder dieser Partnerschaft, sind es (nur oder vor allem) Äußerlichkeiten wie sexuelle Anziehung, Imponiergehabe, Zurschaustellung sexueller Potenz ("Seht einmal, wie fit ich noch bin, daß ich so einen attraktiven jungen Partner noch erobern und sexuell zufrieden stellen kann!") und Sehnsucht nach väterlicher oder mütterlicher Geborgenheit oder gar nach Versorgung? Ist es wirkliche Liebe und wirkliches Gefährtesein oder ist es bloße Verliebtheit?

    Eine offensichtlich gelungene Beziehung trotz großen Altersunterschieds war (wenigstens der Literatur nach) die von Heinrich Schliemann, dem Entdecker Trojas, mit seiner um dreißig Jahren jüngeren Frau Sophie. Nicht nur Schliemann, sondern auch seine Frau waren so von der Wiederentdeckung der Antike derart begeistert, daß diese Begeisterung sozusagen eine gemeinsame Basis für ein lebenslanges Gefährtesein abgab. Hier gab es also bei beiden Partnern eigenständig entwickelte und auch für jeden ganz wesentliche Erlebniswelten, die sich dann durch einen gemeinsamen Lebensweg nicht nur ergänzten, sondern sogar noch steigern konnten.

    Problematisch wäre dagegen hier wie auch sonst gewesen, wenn einer der Partner - gleich welchen Alters - kaum Eigenes in die Beziehung eingebracht hätte und sozusagen vom anderen voll und ganz geprägt worden wäre.

    Wir hätten hier dann ein Pygmalionphänomen vor uns: Der alten griechischen Sage nach hatte der Künstler Pygmalion eine derart gelungene Frauenstatue aus Elfenbein geschaffen, daß er die Göttin Aphrodite bat, sie für ihn zum Leben zu erwecken. Die Göttin erfüllte die Bitte, die Statue wurde lebendig, und Pygmalion nahm sie sich zur Frau. Doch die Erwartung des Pygmalion nach Glück ging nicht in Erfüllung, schließlich ist die Beziehung - wieder der Legende nach - katastrophal geendet. Der Grund war, daß sich Pygmalion in seiner Frau immer nur selbst wiederfand, sie war ja doch nur sein Produkt.

    Und dieses Produkt-eines-anderen-Sein sollte man gerade dann bedenken, wenn der Beginn der Beziehung zu einem Zeitpunkt geschah, bei dem der jüngere Partner noch sehr jung ist. Dann sollten sich die beiden zueinander besser wie Vater und Tochter oder Mutter oder Sohn verhalten oder auch wie Bruder und Schwester. Falls sie nicht darauf achten, wird wahrscheinlich dieselbe Katastrophe eintreten wie bei Pygmalion und seiner lebendig gewordenen Statue.

    Höchst nachteilig ist auch, wenn der jüngere Partner zwar Eigenes einbringen könnte, sich jedoch nicht damit vorwagt und es aus lauter Verliebtheit oder auch aus Minderwertigkeitsgefühl verdrängt.

    Die Gefahr ist auch hier dieselbe wie in einer altersgleichen Partnerschaft, daß es irgendwann einmal aus dem angepaßten Partner herausbricht, daß er dem anderen seine ganze Jugend und sein ganzes Leben geopfert habe und nichts dafür erhalten habe und er daher die Beziehung satt habe. Und dann ist vor allem der ältere Partner letztlich der Schuldige (siehe Täter und Opfer), weil er seine Verantwortlichkeit gegenüber einem anderen Menschen nicht richtig erkannt und wahrgenommen hatte. Er hätte es eigentlich wissen müssen, er war ja der ältere!

    Auch bei dem "Problem großer Altersunterschied" wird das Universalrezept "Sollbruchstelle", also Adam und Eva oder auch Gandhi-Methode, empfohlen, das eigentlich immer gilt: "Von allen Früchten essen, aber kein Intimsein vor der Ehe!" Das heißt also vor allem erst einmal, daß der ältere Partner dem jüngeren zum Erlebnis der Phase einer wirklich unschuldigen Ästhetik verhilft: Jeder gibt dem anderen so viel von dem, was ihn bewegt und interessiert, und der andere überprüft kritisch, ob das wirklich das ist, was er sucht. Und erst wenn das unter den Gesichtspunkten einer Bedingung, ohne die nichts geht funktioniert, kann es weiter gehen! (Da gibt es ja auch noch die Problematik des Erlebnisses des Orgasmus: Was ohne Eindringen da nicht passiert, passiert eben auch nicht mit dem Eindringen - man kann also durchaus auf das Eindringen verzichten!) Bei großem Altersunterschied wird sich auf diese Weise vermutlich meistens etwa eine Vater-Tochter-Beziehung herausstellen, und dabei soll es dann auch bleiben. Die Natur wird sich auch anpassen, es wird das Interesse an gegenseitiger Befriedigung mehr oder weniger schnell verschwinden und damit eine Art Inzesttabu entstehen (wie gut, wenn ohne Verkehr, dann kann man lebenslang guter Freund bleiben!).

    Wenn allerdings wirkliches gegenseitiges Geben und Nehmen in den verschiedensten Bereichen der Ästhetik da ist, dann kann das ein Zeichen sein, daß man tatsächlich füreinander geschaffen ist.

    Anders etwa als bei den Fragen nach vorehelichem Verkehr (siehe Ehe auf Probe) und Ehescheidung spielt im Kirchenrecht der Altersunterschied (wie auch dem Rassenunterschied) der Partner keine Rolle. Und als Verstoß gegen die Zehn Gebote wurde ein Altersunterschied auch nie eingestuft. Wenn eine Lebensgestaltung mit solchen "Besonderheiten" gut überlegt und begründet ist, ist dagegen auch nichts einzuwenden.

    Möglicherweise war zu Beginn der Geschichte der Menschwerdung gerade ein großer Altersunterschied bei den Paarbeziehungen die Regel. Es ist gut vorstellbar, daß sich da alte Männchen da mit jungen Weibchen zusammengetan hatten, und wenn die Männchen dann gestorben waren, sich die dann inzwischen älter gewordenen Weibchen jungen Männchen zuwandten. Mehr noch als von Eltern auf die Kinder konnten hier einfach aus dem intensiven Zusammenleben heraus Erkenntnisse für alle Lebensbereiche weitergegeben werden, die sich dann auch durch das vielfache Wechselspiel zwischen Alter und Jugend und zwischen Mann und Frau ständig höher entwickelten.

    Ob diese Praxis in unsere heutige Situation übertragen werden kann, ist ungewiß. Bei einer Beurteilung wird wohl immer die Gefahr von Rationalisierungen gegeben sein: Wer nun einmal verliebt ist oder auch eine eingefahrene Einstellung hat, hat nun einmal eine rosarote Brille und neigt dazu, sich die Wirklichkeit so auszulegen, wie es ihm am ehesten gelegen kommt. Ob eine veränderte Einstellung zu unserem christlichen Glauben auch hier eine fruchtbare Nüchternheit bringt, wird sich zeigen.

    Quelle: www.basisreligion.de, (c) Michael Preuschoff, Originalversion