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    Bette (53) + Lajos (31) e-Mail schreiben Homepage

    Ich glaube, ich muß bei Adam und Eva anfangen. Meine Familie stammt aus Ungarn (merkt man an meinem Namen, ne?), und meine Großeltern sind da 1956 weg und haben ihre Kinder in Deutschland großgezogen. Ich habe als Kind fast gar kein Ungarisch gelernt, das war Ostblock und lohnte sich nicht so, das hatte man hinter sich gelassen. Erst 1990, da war ich siebzehn, haben sich mein Vater und meine Großeltern da zum ersten Mal wieder hingetraut, halbe Familie im Schlepptau. Ich auch. Wir haben noch Verwandte in einer kleinen Stadt nicht weit von der österreichischen Grenze. Ich habe mich da gleich total wohlgefühlt. Drei Häuser weiter wohnte ein Mädel, Ilona, die war die beste in Deutsch in ihrer Schule und hat sich auf uns gestürzt, um üben zu können, und an mir blieb sie hängen. Und ich an ihr.

    Den Rest kann man sich denken. Ilona und ich haben geheiratet, da war ich 21 und sie 22, ich war gerade mit dem Bund fertig und in der Ausbildung, sie war froh, in Deutschland weiterstudieren zu können. Heiraten wäre in dem Alter natürlich kein Thema gewesen, aber das war das einfachste mit ihrer Aufenthaltserlaubnis, und die einzige Möglichkeit, wie wir zusammensein konnten. Also, große Hochzeit in Ungarn, und dann ganz normales Leben als Studentenpaar.

    Nach dem Studium hat sie Arbeit gefunden in einer Werbeagentur, und schon nach paar Wochen war klar, daß sie absolut in ihrem Element war. Sie ist ein Naturtalent im Organisieren und im Umgang mit Menschen, und sie hat bald schon Kunden in Eigenregie betreut, und die wurden immer größer, denn es waren Boom-Zeiten. Sie hat mit ihren Chefs eine gute Provisionsregelung vereinbart und ist jobmäßig abgegangen wie eine Rakete. Ich war mordsmäßig stolz auf sie, bin es eigentlich immer noch. Ich bin selbst im öffentlichen Dienst, und arbeite nicht mal so sehr, um richtig viel Geld zu scheffeln, sondern, um etwas zu verändern und Menschen zu helfen. Klar habe ich längst nicht mehr den blauäugigen Optimismus und Idealismus, mit dem ich meine Ausbildung angefangen habe, aber ich bin dann am glücklichsten, wenn ich weiß, ich habe für jemanden wirklich einen Unterschied gemacht.

    Uns war beiden immer klar, daß wir Kinder wollten, und Ilona fand, es ist sinnlos, zu warten, einen "guten Zeitpunkt" würde es eh nie geben. Also haben wir es dann einfach drauf ankommen lassen, und im November 1998 sind unsere Zwillinge zur Welt gekommen. Wir haben kurz danach ein Haus gekauft, Ilona hat prompt wieder zu arbeiten angefangen, weil es sich einfach lohnte, lieber eine Haushaltshilfe zu bezahlen, die auch auf die Kinder aufpaßt; das ist auch immer noch so. Also, Glück und Wohlstand und fröhliche Familien.

    Nur mit dem Sex, da war es aus, als die Kinder kamen. Bei der Geburt hat es Ilona unterwärts derartig zerlegt, sie sagte, sie wüßte selbst nicht mehr, was da jetzt was sei. Das ist wohl normal und hat sich wohl auch schon längst wieder gegeben, aber erstmal lief gar nichts. Zumal wir beide voll zu tun hatten und uns abgewechselt haben: eine Nacht habe ich bei den Babies geschlafen und war zuständig, wenn was los war, eine Nacht sie, und so weiter. Selbst, als das wieder ruhiger wurde und die Kids anfingen durchzuschlafen, da waren wir eigentlich mehr eine Symbiose geworden als ein Paar: gemeinsame Ziele, die Kinder, die uns beiden wichtiger sind als alles andere, und der jeweilige Job, der jedem von uns doch auf andere Weise ziemlich das Hirn mit Beschlag belegt. Abends standen wir gemeinsam in der Küche, haben gekocht, und alle Probleme des Tages beieinander abgeladen. Wirklich mehr WG als Ehe, irgendwie.

    Während die Kinder größer wurden, hat Ilona immer mehr Auswärts-Termine angenommen und hat wirklich so richtig extrem losgelegt; es war 1999 und 2000, die Branche brummte. Ich war eigentlich zufrieden mit meinem Leben und hätte mich nicht wirklich beschwert, wenn es immer so weiter gegangen wäre. Dann habe ich mich aber plötzlich und extrem verliebt.

    Sie nennt sich Bette ("Wie Bette Davis, nicht Bette Midler!"), ist 22 Jahre älter als ich, und Malerin und Illustratorin. Witzigerweise habe ich sie über Ilona kennengelernt, vor zwei Jahren im Sommer, auf einem großen Grillfest von der Agentur, mit Familien, Kunden, Freelancern und so weiter. Bette hatte für Ilona eine ziemlich anspruchsvolle Image-Kampagne illustriert, und Ilona hatte mir schon öfters abends in der Küche von dieser total unkonventionellen und faszinierenden Künstlerin vorgeschwärmt. Und als ich sie dann auf dem Fest kennengelernt habe, da hatte sie natürlich auch schon von mir gehört, und wir haben uns auf Anhieb richtig gut verstanden. Bette sagte, sie hätte da ein Problem, mit dem ich ihr helfen könnte, beruflich, und ob ich nicht mal vorbeikommen könnte. Wie gesagt, ich fand sie auch faszinierend, und habe mir das nicht zweimal sagen lassen, um ihr Haus und Atelier auch mal zu sehen, von dem Ilona schon paar mal erzählt hatte.

    Bette wohnt in einem Haus aus den 1930ern, am Stadtrand. Ich war sofort fasziniert von ihren Bildern, mehr noch als von dem, was sie für Ilonas Projekt gemacht hatte. Und von ihrer Art zu leben. So unhektisch, ruhig, überlegen, erdverbunden, kreativ-chaotisch statt durchorganisiert und zielbewußt. Bette ist eine Person, die entscheidet gelegentlich spontan, jetzt für einen Monat in eine andere Stadt zu gehen, weil sich das gerade richtig anfühlt; und irgend ein Projekt, das ihr das irgendwie finanziert, findet sie dann auch. Sie hat ein paar ziemlich seltsame Katzen und einen großen, wüsten Garten; sie setzt sich mit jemandem, der gerade vorbeikommt, schon mal für Stunden zu einem Tee zusammen oder rekrutiert wildfremde Besucher für einen kompletten Nachmittag zum Pflaumenentkernen. Sie graust sich vor nichts, und erschlägt auch schon mal ne Ratte mit der Schippe.

    Ich bin einfach da hängengeblieben. Wenn Ilona nicht da war, bin ich öfter auch mit den Kindern zu Bette und habe die beiden einfach frei im Garten rumlaufen lassen, das geht da, während ich bei Bette im Atelier hockte und ihr beim Arbeiten zugeschaut habe. Und ohne die Kinder bin ich auch immer öfter gekommen. Und irgendwie war es selbstverständlich, daß sie mich auch gemalt hat: erst lief das nur "Lajos, halt mal deinen Arm so, der Holz-Fuzzy kann die Pose nicht halten" (kratz, kratz, kratz auf der Leinwand) "Okay, danke, kannst wieder runternehmen." Dann ging da immer mehr von mir aus "Nee, mir macht das gar nichts aus" bis zu "Soll ich nicht vielleicht", und schließlich lag ich dann splitternackt zwischen ihrem Rhabarber, mit diesen großen Blättern, und sie hat mich gemalt. Wir haben uns über zwei Monate oder so schrittchenweise gegenseitig provoziert und verführt, und als wir schließlich angekommen sind, hat Bette gar nicht gefragt, ob ich mir sicher bin, und ich habe sie nie mit irgendwelchem Gesülz genervt von wegen meine Frau will nicht mehr, und wir sind nur noch gute Kumpels. Es war irgendwie außerhalb der Realität.

    Und dann hat sie eines Tages entschieden, daß sie jetzt für die nächsten zwei Monate zu irgendwelchen alten Freunden in die Provence fährt, und kann ich ihre Katzen füttern; und am Abend, bevor sie losgefahren ist (nix fliegen, sie ist mit ihrem uralten VW-Bully runtergeknattert) saß ich bei ihr rum und wurde immer betrübter, und als sie mich gefragt hat, was denn mit mir los ist, da bin ich etwas aus der Haut gefahren und habe erklärt, kann sie sich nicht vorstellen, daß ich sie vermisse, schließlich liebe ich sie ja doch, und so weiter. Es war heraus bevor ich noch wußte, was ich da sage. Sie war sehr gerührt, aber gefahren ist sie trotzdem.

    Wir haben die ganze Zeit immer wieder heimlich telefoniert (natürlich mußte ich ihr von den Katzen berichten, deshalb hatte ich die Nummer, offiziell), und festgestellt, wie sehr wir uns vermissen; und als sie wieder da war, da war aus der Affäre und der gegenseitigen Faszination mehr geworden.

    Sie ist so völlig anders als alle anderen Leute, die ich vorher gekannt hatte, und irgendwie kann ich bei ihr anders sein, ausprobieren, mich gehen lassen, unverantwortlich sein. Spontan an einem Nachmittag anfangen, die ekligen Teppiche aus den Achtzigern rauszureißen, und dann zwei Wochen lang jeden Abend im ganzen Haus erst das alte Parkett abschleifen und neu versiegeln, dann nochmal eine Woche lang alle Wände streichen (wenn man eh schon alles bewegt), und dann hat sie am Wochenende zusammen mit meinen beiden Kindern noch ein paar Wände bunt gemalt, das war auch total faszinierend, und ich hockte da, guckte ihnen zu, wie sie mit ihren Schwämmen und Pinseln wüste Farbkombinationen erschaffen habe, habe ihnen was zu trinken gebracht und nichts getan und war auch noch ein guter Vater, weil ich die Kinder hatte, während Ilona zu irgendwas wichtigem weg war, ich glaube, in Berlin, kann aber auch London gewesen sein.

    Versteht mich nicht falsch, ich habe mich nicht wirklich unverstanden oder vernachlässigt gefühlt, oder war neidisch auf Ilonas Erfolg oder irgendwas. Ich war einfach nur glücklich mit Bette, weil sie so total anders ist. Sie ist groß und eckig und etwas zu mager für ihre kräftigen Knochen. Sie sieht genauso alt aus, wie sie ist, mit mehr grau als blond in ihrem buschigen, schlichten Pferdeschwanz, mit einfachen Jeans und T-Shirt, die fast nie ohne Farbflecken sind, und diesen unmöglichen alten Springerstiefeln oder Birkenstocks oder Clogs, die total von Farbe bedeckt sind. Sie malt beidhändig, manchmal sogar mit zwei Pinseln gleichzeitig. Sie muß sich öfters anhören, zu bunt und fröhlich zu malen, zu anbiedernd an allgemeinen Geschmack, zu gewollt-kindlich, zu sehr wie Wachtmeister oder Hundertwasser oder Chagall oder Rizzi, und es interessiert sie nicht, und sie hat immer einen Galeristen, und Aufträge. Große Planung ist nicht. Irgendwelche Grenzen - ist nicht. Sie erklärt schon mal eiskalt: "He, ich bin hungrig, kannst du mal einkaufen gehen und was kochen, du kannst das eh besser als ich", und malt weiter.

    Mit genau der selben Spontaneität hat sie dann ein paar ziemlich eindeutige Bilder, die ganz eindeutig mich zeigten, mit in ihre nächste Ausstellung getan; das ist eben, wohin sie sich jetzt entwickelt hat, basta. Ist doch nichts dabei. Mir war klar, daß es keinen Sinn hatte, jetzt noch von wegen Diskretion anzufangen, und habe die Flucht nach vorne angetreten und Ilona alles erzählt, bevor sie unversehens das blanke Hinterteil von ihrem Ehemann bei der Ausstellungseröffnung an der Wand hängen sieht.

    An dem Punkt wurde es dann erstmal ein bißchen dramatisch. Ilona hat ziemlich geheult, hat gesagt, ihre Kollegen hätten schon was angedeutet, aber sie hätte es nie glauben wollen, sie hat sich Vorwürfe gemacht, keine gute Ehefrau gewesen zu sein (Schwachsinn, wirklich, weil ich es war, der ausgebrochen ist, habe ich ihr wieder und wieder erklärt; ich bin hier der Böse!), und ich habe so ziemlich die ganze Nacht mit ihr dagesessen, sie im Arm gehalten und getröstet. Klingt ein bißchen absurd, war aber so. Gegen Morgen hat sie dann gemeint, jetzt müßten wir uns wohl scheiden lassen, und ist ohne geschlafen zu haben in die Arbeit gegangen; ich hatte an dem Tag keinen Dienst und bin zu Bette raus gefahren.

    Ilona war etwa eine Woche lang ziemlich unter Schock, und gegen Ende ausgesprochen angefressen, und hat mich dann angeknurrt, ich wolle mich doch sicherlich bestimmt unbedingt scheiden lassen, und dann haben wir eine Weile ähm gesagt und rumgedruckst, und dann stellte sich raus, daß wir beide keine Scheidung wollen - viel zu viel Aufwand, und Kosten, und wofür bitte? Ich hatte (und habe) eh nicht vor, Bette zu heiraten, und genauso wenig sie mich. Der bloße Gedanke ist absurd. Das paßt überhaupt nicht zu ihr, oder zu der Art Beziehung, die wir haben. Und die Kinder - sie sind doch Ilona und mir gleichermaßen wichtig, warum sollen wir da irgendwelche komplizierten rechtlichen Regeln einführen, um das auszudrücken?

    Also haben wir beschlossen, die Sache einfach so zu lassen, wie sie war. Ilonas Verhältnis zu Bette hat sich natürlich ausgesprochen abgekühlt; sie ist einfach monumental befangen und kommt auch mit Bettes direkter Art, mit der Sache umzugehen, nicht recht klar; sie ignoriert das lieber ganz. Ich weiß nicht, ob sie vielleicht andere Männer hat, und es geht mich auch nichts an, ob sie vielleicht auf ihren Geschäftsreisen immer mit einem Kollegen zusammen ist oder in jeder Stadt einen anderen hat; was auch immer, ich gönne es ihr, ich habe ja angefangen.

    Problematisch wird es erst, wenn Ilona sich neu verliebt, und mit dem anderen dann ein richtiges neues Leben anfangen will; dann müssen wir unser Provisorium irgendwie blitzartig abwickeln und Regelungen finden, für das Haus und für die Kinder. Oder auch, wenn sie wegen der Arbeit doch ganz in eine andere Stadt ziehen will. Das wird schon irgendwann nicht ausbleiben, und dann wird es doch noch dramatisch, aber erstmal haben wir alle einen Zustand, mit dem wir irgendwie leben können.

    Unsere Verwandten wissen nichts, die machen sich nur unnötig Sorgen; unsere Freunde schon eher, die kriegen das mit, spätestens die Leute von der Agentur, die Bette auch kennen, und sehen, daß ich das manchmal bin auf ihren Bildern. Oder sie treffen Bette und mich irgendwo zusammen, und natürlich weit und breit keine Ilona.

    Unsere Haushaltshilfe, die hält eisern zu Ilona und würde mir eher heute als morgen die Koffer vor die Tür stellen, wenn Ilona es anordnen würde. Tut sie nur nicht. Es klingt vielleicht albern, aber die Mißbilligung dieser Frau, die sich jeden Tag um unsere Kinder und unseren Haushalt kümmert, nervt irgendwie am meisten von allen Leuten, die Bescheid wissen und deswegen eine schlechte Meinung von mir haben. Es sägt täglich an meinen Nerven, aber rauswerfen kann ich sie auch nicht, denn dann wären die Zwillinge todunglücklich. Davon, daß sie versuchen würde, mich vor den Kindern schlechtzumachen, ist noch nichts zu merken, also gibt es wirklich keinen Grund, uns von ihr zu trennen. Das gehört mit zu dem, was ich halt aushalte, um letztlich das Leben zu haben, das ich haben will.

    Lajos, 2004-09-03

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