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    Donnerstag,
    27. Mai 2004

    Sorgen um den Sohn: Alkohol und Schuleschwänzen

    Langsam fange ich, Heinz, an, mir wirklich ernsthaft Sorgen um meinen Sohn zu machen. Er ist mittlerweile 15 Jahre alt, und wenn er früher schon immer ein Eigenbrötler war, der sich am liebsten in Ruhe in sein Zimmer verzog, las oder vor dem Computer hockte, so ist das wohl seit der Trennung von I. und mir noch sehr viel extremer geworden. Er hat sich von allem zurückgezogen, redet weder mit seiner Mutter noch mit mir, geht nicht raus, sondern sitzt nur still und stumm stundenlang vor seinem Rechner. Auch wenn ich aus irgendeinem Grunde in den letzten Monaten noch mal im Haus gewesen bin - von ihm war praktisch nie etwas zu sehen, er war immer nur in seinem Zimmer und ließ sich nicht blicken.

    Von meiner Tochter hatten wir ja schon vor einiger Zeit erfahren, dass er offenbar auch die Schule schwänzt, jedenfalls hat er nach den Osterferien zwei Tage gefehlt, und meine Noch-Ehefrau hatte sich geweigert, mit mir auch nur in irgendeiner Form darüber zu reden, sie glaube mir nicht, er sei in der Schule gewesen, das sei allein ihre Sache... Am nächsten Tag war der Junge dann auch wieder in der Schule, allerdings kam es da zum Krach mit seiner Schwester, als sie mit ihm reden wollte und er sehr sauer reagierte, sie beschimpfte und sagte, sie solle sich gefälligst aus seinen Angelegenheiten raushalten. Zum Glück ist die Kleine ein wunderbarer Sturkopf, und so einfach hat sie sich nicht abschütteln lassen. Sie geht auch weiterhin einfach ab und zu in unser altes Haus, holt sich dort mit größter Selbstverständlichkeit noch alte Sachen von ihr, bringt andere Sachen wieder zurück, die sie momentan nicht braucht, und schaut auch jedes Mal bei ihrem Bruder im Zimmer vorbei und redet mit ihm. Sie gehen zwar in dieselbe Schule, aber auf dem Schulhof scheinen sie doch nicht viel Kontakt zu haben.

    Gestern war die Kleine wieder mal im alten Haus gewesen, und als sie abends zu uns heim kam, war ihr deutlich anzumerken, dass sie irgendetwas besonders belastete. Ich habe Audrey dann ins Schlafzimmer geschickt, schließlich geht es ihr oft nicht so gut und sie soll sich ja schonen, viel ausruhen und liegen, und mit der Kleinen dann zusammen das Abendessen gekocht - um ehrlich zu sein, wir haben nur eine Dose Erbsensuppe warm gemacht und mit ein paar Schalotten, Schinkenspeck und kleingeraspelten Karotten etwas "aufgepeppt", aber irgendwie scheint diese Art Hausarbeit wunderbar für persönliche Gespräche zwischen der Kleinen und mir geeignet zu sein, wir können miteinander reden, schweigen, abwarten, auf das klein geschnittene Gemüse starren und trotzdem miteinander sprechen.

    Jedenfalls hat sie mir dabei erzählt, dass ihr Bruder immer wieder nicht in der Schule ist, und wenn sie ihn zu Hause besucht, ist er immer öfter irgendwie "komisch", abgedreht, gar nicht richtig da. Sie würde sich langsam Sorgen machen, und gestern hätte sie auch noch "zufällig" irgendeine Schnapsflasche unter seinem Bett gefunden, ... Er hätte sie aber nur ausgelacht, als sie ihn darauf angesprochen hätte, hätte ihr die Flasche abgenommen und hätte dann einen großen Schluck daraus genommen. Er hätte sie weiter nur ausgelacht ... Sie ist dann sofort dort abgehauen. Sie geht da nicht wieder hin, nicht, bis er sich bei ihr entschuldigt hat, sagt sie.

    Abends, als die Kleine dann im Bett war, bin ich noch mal zu I. gefahren, und dieses Mal habe ich mich nicht abwimmeln lassen - allerdings hatte ich Glück, dass ihr neuer Freund nicht da war, da hat sie mir nicht direkt die Tür vor der Nase zugeknallt. Ich habe ihr gesagt, dass unser Sohn offenbar die Schule schwänzt und Alkohol trinkt, und habe ihr alles erzählt, was ich von seiner Schwester erfahren habe. Was mich geschockt hat - I. hat es bestätigt. Ja, sie weiß schon einige Zeit, dass er die Schule schwänzt, sie weiß auch, dass er manchmal etwas trinkt, sie weiß, dass er sich aus den häuslichen Alkoholvorräten bedient, sie hat schon mehrmal eine Flasche in seinem Zimmer gefunden, und sie hat ihm wohl auch schon ein paar Mal Entschuldigungen für die Schule geschrieben, weil er schlicht nicht in der Lage war, überhaupt zur Schule zu gehen. Einerseits weiß sie also Bescheid, ist auch entsetzt und macht sich Sorgen um den Jungen, andererseits "deckt" sie sein Verhalten auch noch, hat noch nichts dagegen unternommen (abgesehen davon, dass sie ihm die Flaschen weggenommen hat, und abgesehen von ein paar Gesprächen mit ihm, die rein gar nichts gebracht haben) und hat es bisher auch nicht für nötig befunden, mit mir als seinem Vater darüber zu sprechen. Ich gehörte ja nicht mehr zur Familie, ich hätte sie ja im Stich gelassen, das ginge mich nichts mehr an... Aber ich bin ja auch nicht besser, ich weiß seit über einem Monat zumindest vom Schulschwänzen, und außer zwei erfolglosen Versuchen, mit seiner Mutter darüber zu reden, habe ich auch rein gar nichts unternommen.

    Heute Vormittag habe ich dann aber endlich in seiner Schule angerufen, um einen Gesprächstermin mit seinem Klassenlehrer zu vereinbaren. Er hat mich dann auch gleich in der nächsten Pause zurückgerufen, und nachmittags haben wir dann in Ruhe miteinander telefoniert. Im Grunde erzählte mir der Klassenlehrer dieselbe Geschichte - er hätte sich ja auch schon um den Jungen Gedanken gemacht, er habe sich so verändert, er fehle oft, die Entschuldigung, die er dann anbrächte, wären oft unglaubhaft oder offensichtlich gefälscht, und er - der Lehrer - hätte ja auch schon oft vorgehabt, bei I. anzurufen, um mit ihr über unseren Sohn zu reden, aber irgendwie sei er dann nie dazu gekommen.

    Den Rest des Nachmittages habe ich dann damit verbracht, im Internet nach irgendwelchen Informationen, Anlaufstellen etc. zu suchen. Ich war auf der Internet-Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, habe dort nachgelesen, habe nach Links gesucht und was weiß ich. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal wirklich für solche Seiten interessieren würde! Früher hatte ich mal gehört, dass es so etwas wie "freiwillige Erziehungshilfe" gäbe, bin dann darauf gestoßen, dass es "Erziehungsberatung" gibt, und habe dann entsprechende Angebote der Caritas gefunden, auch bei uns hier vor Ort. Ich habe direkt bei der zuständige Dame dort angerufen, einer Frau F., ausgebildete Sozialpädagogin, die schon seit zwanzig Jahren in diesem Bereich tätig ist, und morgen Vormittag habe ich einen Termin mit ihr. Sie hat am Telefon auf jeden Fall einen sehr sachlichen, verständnisvollen und wunderbar zupackenden Eindruck gemacht, hat auch nichts auf die lange Bank geschoben (mit der Begründung, dass wir das ja schon lange genug getan hätten - hat sie ja auch recht, ich weiß!). Schuleschwänzen und Alkoholkonsum sind Hilferufe der Kinder, und irgendwie müssen wir als Eltern jetzt darauf reagieren. Und ich denke, wenn Frau F. mit dem Jungen und mit I. spricht, werden wir zusammen doch noch ein "gemeinsames zielführendes Vorgehen" auf die Reihe bekommen, wie es auf der Internetseite der Caritas hier so schön heißt!

    Die Kleine hat übrigens nicht viel dazu gesagt, als ich ihr heute Abend von meinen Gesprächen mit I., dem Klassenlehrer und Frau F. erzählt habe, sie hat nur kurz genickt und dann von etwas anderem gesprochen.