Name:
Passw.:

Menü:

Reifeprüfung
  • Forum
  • Buchtipps
  • Artikel der
    Woche

  • Links
  • Erfahrungs-
    berichte

  • Promi-Paare

    Audrey & Heinz
  • Audrey
  • Heinz
  • Tagebuch
  • Dublin-Reise

    Über diese Seite

    Statistisches

    Gästebuch
    Kontakt

  • Nutzungs-
    bedingungen

  • Impressum

  • Du bist Besucher


    Freitag,
    28. Mai 2004

    Gespräch bei der Erziehungsberatung

    Heute hatte ich dann das erste Gespräch bei der Erziehungsberatung - und habe jede Menge Stoff zum Nachdenken bekommen!

    Zunächst hat Frau F. nur mit mir gesprochen, um meinen Eindruck von der Situation nachvollziehen zu können, allerdings nur, soweit es direkt unseren Sohn betrifft. Bei allem, was die Beziehung zwischen I. und mir betrifft, hat Frau F. komplett abgeblockt, das ist nicht Thema der Erziehungsberatung, hier geht es schließlich nur und ausschließlich um den Jungen. Natürlich braucht die Beraterin dazu auch ein gewisses "Hintergrundwissen", was die Beziehung der Eltern zueinander betrifft, aber nur, soweit der Junge davon direkt betroffen ist, und im Grund war da die Aussage "wir haben uns auseinander gelebt, uns in verschiedene Richtungen entwickelt, die gemeinsame Kommunikationsebene verloren und sind im Bösen auseinander gegangen" schon mehr als ausreichend. (Schon komisch, wenn bald zwanzig Jahre Beziehung so einfach mit einem einzigen Satz "abgehandelt" werden können, danke, Thema erledigt! Mehr war das nicht ...?!?)

    Ansonsten hat Frau F. mir klar gemacht, dass jede Scheidung ihren emotionalen Tribut fordert, wenn nicht korrigierend eingegriffen wird, und die meisten Kinder werden - in der einen oder anderen Form - körperlich krank, und das Symptom, was am häufigsten auftritt, sind Depressionen, mehr oder weniger schwer. Meistens handelt es sich dabei um eine reaktive Depression, d.h. um eine Reaktion auf einen schweren persönlichen Verlust. Die reaktive Depression ist eine völlig normale Erscheinung, die uns hilft, Verluste zu verarbeiten, und sie ist damit Teil der Trauerarbeit. Und Scheidungskinder trauern, weil ihnen durch die Trennung der Eltern genommen wird, was ihnen das Wertvollste im Leben war: Die intakte Familie, in der beide Eltern zu Hause wohnen. Hinzu kommen weitere Verluste für das Kind, neben der Abwesenheit des Vaters oder der Mutter z.B. ein Kontaktabbruch zwischen den Geschwistern, wenn die Kinder unter den Eltern "aufgeteilt" werden (wie es bei uns ja letztlich der Fall war), die finanzielle Sicherheit geht verloren und das Grundvertrauen in die Eltern geht verloren.

    Bei den meisten Kindern tritt dann eine versteckte oder eine offene Depression auf. Oft zeigen sich solche Depressionen bei Kindern durch Rebellion, Null-Bock-Stimmungen, Wut und Groll, aber auch durch Abkapselung, Rückzug, die Kinder werden extrem verschlossen etc. Es kommt aber auch genauso vor, dass Kinder "über-funktionieren", weil sie glauben, die Eltern würden dies von ihnen erwarten, und auf diese Weise nicht zeigen, wie sie sich seelisch fühlen. Grundsätzlich würden Mädchen nach einer Trennung der Eltern eher zu dieser Art der Reaktion neigen, während Jungen eher zu offenen Rebellion tendieren. (Scheint ja bei unseren Kindern auch eher so zu sein - leider!) Schwere depressive Zustände MÜSSEN professionell behandelt werden, mildere Formen der depressiven Verstimmung können aber durchaus auch von den Eltern aufgefangen werden. Dazu gehört, die Depression zunächst zu akzeptieren. Sätze wie "so schlimm ist es doch gar nicht!" wären zwar ganz normale elterliche Reaktionen, aber meist kontraproduktiv, da die Kinder sich noch schuldiger fühlen, wenn ihnen so das Gefühl vermittelt wird, die Eltern nehmen ihre Trauer und ihre Ängste nicht ernst, und sie - die Kinder - würden ihre Gefühle übertreiben. Man muss vielmehr dem Kind helfen, Depression bewusst zu durchleben und ihm die individuell richtige Zeit für seine persönliche Trauerarbeit geben, ohne selbst ungeduldig zu werden. Außerdem muss man dem Kind helfen, sich mit der Realität abzufinden, da so die Trauerarbeit beschleunigt wird, und dem Kind neue Perspektiven aufzeigen. Besonders wichtig ist es auch, für das Kind klare Verhaltensregeln festzulegen, die einerseits ohne allzu große Strenge und Disziplin durchgesetzt werden können, andererseits dem Kind aber auch verlässliche Grenzen aufzeigen. Eltern dürfen sich nicht durch das Leid des Kindes manipulieren lassen, das Kind braucht - gerade bei einer Depression - klare Grenzen und Regeln.

    Und genau daran fehlt es offenbar unserem Sohn, da wir ihn so quasi sich selbst überlassen haben, zumindest nach meiner Beschreibung, so Frau F. Wichtig sei zunächst eine klare Vereinbarung zur Umgangsrechtsregelung, die dann auch konsequent von I. und mir umgesetzt werden müsse. Meine "Aufgabe" ist es also, zunächst einen konkreten Vorschlag zur Gestaltung des Umgangsrechts für unseren Sohn zu erstellen, der dann in der nächsten Sitzung mit Frau F. besprochen werden kann. Frau F. selber will in den nächsten Tagen Kontakt zu I. aufnehmen, und sich dann in ungefähr einer Woche wieder bei mir melden, um dann das weitere Vorgehen zu besprechen und abzustimmen.

    Alles in allem hat Frau F. mir auch erklärt, dass das, was wir derzeit erleben, eine völlig normale Reaktion eines Jugendlichen auf die Trennung seiner Eltern ist, mit der wir aber konstruktiv umgehen müssen. Schuldzuweisungen und Selbstvorwürfe wären zwar nur natürlich, aber nicht hilfreich, vielmehr müssen wir uns jetzt auf eine konkrete Vorgehensweise einigen und diese auch konsequent umsetzen, mit allen damit verbundenen Konsequenzen. Ich denke - das können wir schaffen!